Wach geküsste Einkaufslust – ehemaliges Hertie-Kaufhaus Buer

Sie sind die Dinosaurier des Einzelhandels: Kaufhäuser.

Ein einzelner Anbieter mit hochkomplexem Sortiment bietet auf einigen 1.000 Quadratmetern vom Kniestrumpf über die Kaffee-Maschine bis zur Golf-Ausrüstung alles an, was den geneigten Konsumenten interessieren könnte. Einige „Leuchttürme“ dieser Sparte halten sich allein wegen ihres Rufes über Wasser, das beste Beispiel hierfür ist das „Kaufhaus des Westens“ in Berlin. Andere, wie die bundesweiten Karstadt-Filialen, sind wegen ihres defizitären Betriebes Stammgast in der Presse. Denn das Konzept hat sich weitestgehend selbst – und vor allen Dingen durch neue Einkaufswelten – überholt.

Das „Kaufhaus“ wurde verdrängt vom „Einkaufszentrum“. Großflächige gewerbliche Immobilien, in denen sich viele – kleinere oder größere – Anbieter, den gesamten zur Verfügung stehenden Raum teilen. „Mall“ nennen das die Amerikaner, bei denen das Konzept längst historisch ist. Das Oberhausener „Centro“ war eines dieser wirklich großen Einkaufsparadiese in Deutschland, die entlang dieses Systems entwickelt und gebaut wurden.

Nur: was passiert mit einer Innenstadt, in der ein klassisches Kaufhaus „stirbt“? Wenn für sieben Etagen mit 14.000 Quadratmetern plötzlich die Türen geschlossen werden, weil der Ertrag nicht mehr stimmt? Dann steht es da, leer, dunkel und ungenutzt – und es ist eine Frage von wenigen Monaten, bis es mit Graffiti besprüht ist. Durch die erblindenden Scheiben verbreitet es dann einen morbiden Duft in die ansonsten mit kleinen Einzelhändlern lebendig gehaltene Fußgängerzone. Das kann man sich vorstellen wie einen hübschen Yachthafen irgendwo am Mittelmeer, in dem irgendjemand einen alten Flugzeugträger liegen lässt, der dann dort vor sich hin rostet, Platz wegnimmt und selbst unter blauestem Himmel wirkt wie eine Mahnung an die Vergänglichkeit alles Seins.

So ein Flugzeugträger steht an der belebten und beliebten Hochstrasse, der angesagtesten Einkaufsmeile von Gelsenkirchen-Buer (ehemaliges Hertie-Kaufhaus). Hier lebt der Einzelhandel in Form von alteingesessenen Unternehmern, die es mit ihrem persönlich präsentierten und verbindlich verkauften Angebot schaffen, Stammkundschaft aus einem Umkreis von fast 100 km zu gewinnen und zu binden. Selbst aus dem mit qualifiziertem Einzelhandel gesegneten Düsseldorf finden treue Einkäufer regelmäßig den Weg nach Gelsenkirchen-Buer. Und hier steht nun ein vermodernder, schmutziger Bau mit sieben Etagen und 14.000 qm Nutzfläche ungenutzt herum. Über 100 m Fassade, an denen die kauflustige Kundschaft entlang muss und sich die Laune verderben lassen kann.

Was tun mit dem Objekt? Geplant im Jahre 1911 von dem aus dem westfälischen Dülmen stammenden Kaufmann Theodor Althoff, gebaut und fertig gestellt im Jahre 1913. Zu seiner Zeit ein Magnet für kaufwillige Verbraucher, mehr als ein Konsumtempel, ein echter Treffpunkt. 1927 erweitert zum festen Bestandteil der Architektur in der Bueraner Innenstadt, lange bevor dieses autonome Zentrum Bestandteil der Stadt Gelsenkirchen wurde. Damals war Buer eine selbstständige Großstadt für die Verhältnisse im Ruhrgebiet. 2007 wurde die Kaufhauskette „Hertie“ zum Betreiber des Hauses, fast 100 Jahre nach der ersten Idee zu dem Objekt. Keine zwei Jahre später wurde es wieder aufgegeben, 2009 schlossen sich die Türen zum letzten Mal. Seit diesem Zeitpunkt war nur das Erdgeschoss vorübergehend an begrenzt attraktive Händler fremd vermietet – seit geraumer Zeit geschieht dort gar nichts mehr.

Ein vor sich hin rostender Flugzeugträger mitten im beliebten Yacht-Hafen für Kaufwillige, der Einkaufstrasse Nr. 1 von Gelsenkirchen-Buer. Den dortigen, alteingesessenen Einzelhändlern ein Dorn im Auge, die lange darauf gewartet haben, dass „etwas passiert“. Aber es passierte: nichts.

Nun nehmen sie es selbst in die Hand. Ein seltener Vorgang im deutschen Einzelhandel. Finanziert über mutige Geldgeber wird das Objekt saniert und umgebaut von der „Buer Management GmbH“, einem Unternehmen, das vor rund 10 Jahren, jenseits allen Wettbewerbs von Bueraner Geschäftsleuten gegründet wurde.

Auf den ersten beiden Etagen des alten Kaufhauses soll wieder Einzelhandel etabliert werden. Anders als in der Vergangenheit soll dieser aber nicht mehr von einem einzelnen Anbieter betrieben werden, sondern die Fläche wird auf mehrere einzelne, autonome Geschäfte verteilt – ganz im Sinne eines kleinen Einkaufszentrums. Die darüber liegenden Stockwerke werden zukünftig für Büroräume und/oder Praxen nutzbar gemacht. Der Rest soll als Wohnraum vermietet werden. Ein mutiges Projekt – leider auch mit viel Potenzial zum Scheitern.

Aber es gilt die alte Weisheit: „Lange diskutierten Experten über das ,Für’ und ,Wider’ einer Maßnahme – dann kam einer und hat es einfach gemacht!“

Die Bueraner Kaufmannschaft, die Händler und Dienstleister sind gespannt auf den Verlauf und das Ergebnis des Projektes. Auch die, die wie ich, noch nicht direkt darin involviert sind. „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ Gelsenkirchen-Buer wird aus dem Resultat dieser ambitionierten Aufgabe als Sieger hervorgehen, da bin ich mir sicher. Und wenn jemand an die Türen des Immobilien-Management Hundt klopft, wird das Team nicht nach dem Vorteil für uns fragen, sondern nach dem Vorteil für Gelsenkirchen-Buer.

Gemeinsam wird es uns gelingen, diesem betagten Objekt und unserem geliebten Stadtteil neues Leben einzuhauchen! Gleichzeitig wertet die erfolgreiche Umsetzung auch den Lebensraum und die Infrastruktur von Buer in einem Umkreis von 20 km weiter auf. Wie immer freuen wir uns auf die damit zusammen- hängenden Herausforderungen!

Ein Kommentar von Ralf Robert Hundt – http://twitter.com/BuerCityNews

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